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Geldanlage Wandlitzsee

Das Gewässer ist als frühere DDR Bonzensiedlung berüchtigt. Jetzt will der Eigentümer aus Düsseldorf eine Aktiengesellschaft gründen. Und er droht: Wer keinen Anteil kauft, muss seinen Steg abbauen

Von Volker Eckert

Wandlitz - So ganz haben sie es in Wandlitz nicht glauben können im vergangenen Sommer: Der idyllische Wandlitzsee wurde verkauft und der neue Besitzer schien keinerlei wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Doch jetzt hat sich kurz vor Beginn der Badesaison Werner Becker, Vorstand der Düsseldorfer Immobilienfirma Teutonia, gemeldet. Nach seinen Plänen sollen Besitzer von Stegen im See – Bootsfahrer, die Gemeinde und andere – für diese in Zukunft zahlen.

Rund 130 größere Stege führen von Privatgrundstücken in den See. Deren Besitzern will Werner Becker nun erst einmal 100 Vorzugsaktien zum Ausgabepreis von 7500 Euro anbieten und hat zu diesem Zweck vergangene Woche die „Wandlitzsee AG“ gegründet. Als Kaufanreiz führt Becker den rechtlichen Status der Stege ins Feld: „Bis auf eine Ausnahme sind alle auf fremdem Boden errichtet worden, ohne um Erlaubnis zu fragen.“ Der fremde Boden ist der Seegrund, der seit dem Kauf Becker gehört. Wer aber eine Aktie erwirbt, würde Miteigentümer des Sees und sein Steg damit legal.

Der Kaufpreis werde sich nach den Regeln von Angebot und Nachfrage entwickeln, sagt Becker. In den nächsten Wochen würde ein Informationsprospekt erstellt. Wer wolle, könne aber jetzt schon kaufen. Dass die Zahl der Aktien dabei unter der Zahl der Stegbesitzer liegt, ist kein Zufall. Becker: „So wollen wir Bewegung in die Sache bringen.“ Wer aber keine Aktie kauft, könnte sich irgendwann mit der Forderung konfrontiert sehen, seinen Steg zu entfernen – „das werden wir uns dann überlegen“, so Becker.

Der Wandlitzsee, zu DDR-Zeiten volkseigen, ging nach der Wende an die Treuhand- Tochter Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), die den See zu einem Richtpreis von 350.000 Euro 2003 in einer Internetauktion anbot. Dass fast jeder in Deutschland den Namen „Wandlitz“ kennt, weil so die nahe gelegene Waldsiedlung hieß, in der die SED-Oberen residierten, dürfte den Preis nach oben getrieben haben. Aber der See ist auch als Ausflugsziel bei den Berlinern beliebt, denn er gilt als einer der klarsten und am schönsten gelegenen im Umland. Werner Becker aus Düsseldorf bekam den Zuschlag – die Gemeinde Wandlitz, die Vorkaufsrecht genoss, konnte nicht mithalten.

Mit am Ufer gelegenen Hotels und dem Strandbad, das die Gemeinde Wandlitz betreibt, will Werner Becker andere Lösungen finden. Mit denen für das Strandbad ist Wandlitz’ Bürgermeister Udo Tiepelmann jedoch gar nicht einverstanden. 10000 Euro jährlich will Becker laut Tiepelmann für die Nutzung der beiden Stege, die zum Strandbad gehören. Tiepelmanns Reaktion: „Das zahlen wir nicht.“ Nach seiner Einschätzung sind die Stege Gemeindeeigentum, da das Grundstück, von dem sie kommen, der Gemeinde gehört. Dabei beruft er sich auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes von 1966. Außerdem seien die 10000 Euro Miete für den Wandlitzer Haushalt nicht zu verkraften. Denn trotz durchschnittlich 50000 Besuchern im Jahr ist das Bad schon jetzt ein Zuschussbetrieb. Gleichwohl läuft der Streit auf einen Kompromiss hinaus. Bürgermeister Tiepelmann sieht selbst dann Argumente für die Gegenseite, wenn seine Interpretation sich durchsetzt. Becker könne etwa ein Nutzungsentgelt fordern, da die Stege eine Überbauung seines Grundstücks darstellten. Der Gemeinde sei an einer außergerichtlichen Einigung gelegen.

(Tagesspiegel vom 31. März 2004) zurück zur Textübersicht